Der Vormittag war stressig gewesen. Natürlich war noch nicht alles fertig gepackt und Theo war fahrig wie eh und je. Mit polternden und schlurfenden Schritten gleichermaßen – erstaunlich, wie er das nur immer hinbekam – bewegte er sich zwischen sämtlichen Zimmern unserer Wohnung hin und her. Ich ließ ihn einfach machen; meine Nerven würden sonst die Spannung einer Geigensaite annehmen.

Nach einer verspäteten Abfahrt folgte eine verspätete Ankunft am Flughafen. Und da standen wir nun: Koffer aufgeben, Security-Check-in, Wartebereich. Viel zu sagen hatten wir uns nicht, mein Theo und ich. Wir hatten uns daran gewöhnt, und vielleicht genossen wir es auch ein wenig, dass nicht immer alles x-mal durchgesprochen werden musste. Es war schon okay so, wie es war.

Dann der Aufruf zum Boarding. In einer stoischen, routinierten Stück-für-Stück-Vorwärtsbewegung näherten wir uns der Ticket- und Passkontrolle.

Plötzlich hörte ich ein leises Summen – und sah einen gelb-türkis-weiß gestreiften Luftballon, der nur ein paar Meter von mir entfernt an einer Schnur gehalten hinter einer zierlichen Person hergezogen wurde. Irgendetwas an diesem Ballon, der unbekannten Person, die ihn in den Händen hielt, und an dem Geräusch, das mir in den Ohren klingelte, fesselte mich derart, dass ich Theo nur kurz Bescheid gab, dass ich noch etwas holen würde und gleich nachkäme. Er kannte mich ja und nickte nur.

3 Klekse

Ich gab dem Drang nach und folgte diesem Luftballon, der sich immer schneller fortzubewegen schien. Ich verfiel in einen Dauerlauf, bewegte mich immer weiter vom Terminal weg, zurück durch den ganzen Flughafen, bis ich mich schließlich im Außenbereich wiederfand.

Es regnete. Warme Luft umwehte mich, und ich staunte, als ich bemerkte, dass aus dem einen Luftballon Dutzende geworden waren. Eine ganze Menschentraube unterschiedlichster Natur stand beisammen. Sie lachten, und die kleine, zierliche Person, die ich kurz vor dem Boarding gesehen hatte, kam auf mich zu. Sie gab mir ebenfalls einen Luftballon und eine dampfende Tasse Tee. Er duftete so gut, dass ich einfach nur dastand – mit meiner Tasse in der Hand, dem Duft des warmen Regens und einem Gefühl der Verbundenheit, einer in mir aufsteigenden Leichtigkeit.

Die meisten Menschen schienen unsere bunte Truppe gar nicht wahrzunehmen und zogen einfach an uns vorbei. Doch wir, wie wir da so standen, wirkten, als würden wir zu etwas Neuem aufbrechen, das uns allen noch unbekannt war.

Die kleine zierliche Person stellte sich vor: „Ich bin Edna, und ich gratuliere dir: Du hast uns gefunden, die Ballon-Piloten. Nur wenige sind in der Lage, uns wahrzunehmen. Wir freuen uns, dass du jetzt bei uns bist.“

Ich merkte, wie sich eine kleine Träne aus meinem rechten Augenwinkel löste, wie diese auf dem warmen Asphalt verdampfte, und dann wurde mir bewusst, dass Theo ohne mich abgehoben war. Ganz ohne Gepäck, ohne Ziel und mit meiner Tasse Tee genoss ich herrliche Gespräche mit diesen Menschen.

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Als ich wieder zu Hause war, dämmerte es schon, und ich schrieb meinem Theo eine Nachricht: „Ich bin gut angekommen. Du auch?“