Impulse jagten durch seinen Körper. Zunächst kamen sie unregelmäßig, einmal im Monat, dann jede Woche, schließlich täglich. Bald bestand sein ganzes Wesen aus einem in alle Himmelsrichtungen gezogenen Sein, das nicht wirklich greifbar und doch so fürchterlich real war. Für ihn.

Von außen sah man es ihm nicht an, denn er funktionierte. Für seine Umwelt waren da klare Konturen zu sehen: ein Mensch, der im Leben stand, funktionierend, lächelnd, zufrieden im Großen und Ganzen. Vielleicht manchmal etwas schwer zu verstehen, jedoch im Grunde ein klarer Fall.

So flirrte er vor sich hin und wand sich in seiner Zerrissenheit. Täglich brachte er sich notdürftig in Form und spielte seine Abläufe ab. Seine ganze Plattensammlung, fertig gepresst und griffbereit, bot ihm ein nur leicht variables Set. Das ging eine Weile gut, bis auch die Platten anfingen, erste Kratzer zu bekommen. Der Sound wurde unerträglich unrund.

3 Klekse

An einem Alltagstag verließ er wie immer seine Wohnung. Da begann plötzlich alles um ihn herum zu flackern und verzog sich in alle Richtungen. Häuser, Bäume, Straßen – pulsierend zog alles seine Kreise, und ein Schemen schoss hervor.

Geistesgegenwärtig griff er zu. Und dann ging es aufwärts. Höher und höher, er konnte den Boden schon gar nicht mehr sehen. Er klammerte sich fest. An einem Seil.

Und dieses Seil hielt eine Art Vogel in seinem Schnabel. Dieser Vogel war aber nicht wirklich fest. Wie soll man das beschreiben? Er vibrierte und verschwamm genauso, wie er selbst die ganze Zeit innerlich pulsierte. Und alles an diesem Vogelwesen sah fantastisch aus.

Für ihn war das wunderschön in diesem Moment, und er genoss den Flugwind, der ihm eine erfrischende Leichtigkeit gab.

Dann wurde er mutiger und kletterte das Seil ganz nach oben, schaute diesem merkwürdigen Vogelwesen tief in die Augen und verstand, dass er nicht ewig an diesem Seil hängen müsse; er könnte auch einfach zum Reiter dieses Wesens werden.

Erstaunliche Erlebnisse und spannende Begegnungen bestimmten ihre Reise. Neugier hatte die Oberhand, und sie wurde nicht nur befriedigt, sondern gefüttert, bis sie satt erschien. Und doch – es hätte ewig so weitergehen können, dachte er – und er wurde unruhig, als sein Vogelwesen mit ihm landete und keine Anstalten machte, wieder mit ihm abheben zu wollen.

Das Wesen verneigte sich und verschwand so plötzlich, wie es gekommen war.

3 Klekse

Aus Unruhe wurde Angst, aus Angst Panik. Er begann zu rennen, er weinte, er schrie, ließ sich auf den Boden fallen. Er lag einfach nur da und starrte nach oben. Er wollte nicht, dass sich das, was er wahrnahm, festigte. Das Bewegte war sein Zuhause geworden. Das, was ständig neue Formen annahm, flackerte, brodelte, floss.

Seine Hände gruben sich in den Boden. Ein weiches Gefühl. Feiner Sand rieselte durch seine Finger. Ein schönes Gefühl.

Er richtete sich auf und stellte sich dem, was ihn so unverrückbar umgab. Sog die Luft ein, leicht salzig und frisch. Langsam begann sich seine Unruhe zu legen, und Ausgeglichenheit breitete sich in ihm aus.

Bei den Fingern im Sand angefangen, über die Arme, um die eine leichte Meeresbrise wehte, den Bauch, der durch die ihn kitzelnden Sonnenstrahlen schon ganz warm wurde, über sein Herz und die Atmung, die gleichmäßig wie das Meer vor sich hin schwappte, bis zum Kopf, dessen Gedanken sich in einem ruhigen Takt durch leise und klangvolle Melodien zu bewegen begannen.

Er sah sich um, sog alles auf. Für den Moment fühlte sich das Hier und Jetzt wieder wie eine Möglichkeit für ein andauerndes Richtig an.

Jetzt habe ich viele neue Töne gefunden, ging es ihm durch den Kopf, lauschte ihnen andächtig und achtete auf jede Nuance.

Doch wo zum Geier, dachte er sich, nehme ich jetzt das ganze Geld für meine neue Plattensammlung her …